Tipu Sultan Merkez

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Wandbild zur Förderung indigener Frauen* in Oaxaca, Mexiko



In México haben Wandbilder (Murales) eine lange und bedeutsame Tradition in Kunst und Volksbildung. Die freischaffende Künstlerin Emma Sosa Moreno knüpft an diese Tradition an. Seit drei Jahren realisiert sie in indigenen Gemeinden im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca Wandbilder, auf denen Senior*innen abgebildet sind, die sich für die Entwicklung der Gemeinde eingesetzt haben. So erfahren alte Menschen und  Frauen* - zwei Gruppen, die nicht nur in den indigenen Gemeinden Oaxacas benachteiligt sind, eine Würdigung durch ein öffentliches Kunstwerk. 

Mit ihren “Murales” regt Emma Sosa Moreno einen Dialog über soziale und politische Beteiligung und Gleichberechtigung an. Sie möchte auf diese Weise einen Beitrag zur weiteren Entwicklung der Gemeinden, zur Kommunikation zwischen den Generationen und zur Förderung der politischen Partizipation der Frauen* und Mädchen in den Gemeinden leisten.

Für ihr aktuelles Projekt in San Lorenzo Cacaoptepec (Oaxaca) sucht sie noch Unterstützer*innen. Da diese Gemeinde über keine eigenen Finanzmittel verfügt, ist sie auf externe Förderung angewiesen. Nur so können die Kosten für Arbeitsmaterialien, Transport, vorbereitende Arbeiten, Recherchen und die künstlerischen Arbeiten gedeckt werden.

Fertig erstelltes Wandbild in der Ortschaft San Pablo Etla (hier ein vergrößerter Auschnitt mit den Abbildungen von Frauen).

Im Bundessaat Oaxaca gehört ein Großteil der Bevölkerung einer indigenen Gruppe an. Viele Gemeinden praktizieren das traditionelle indigene Regierungssystem der “usos y costumbres” (Traditionen und Gebräuche). Das bedeutet, dass die Angelegenheiten der Gemeinde basisdemokratisch in der Gemeindeversammlung (asamblea) diskutiert und beschlossen werden. Alle Gemeindemitglieder sollten rotierend (z.B. für ein oder zwei Jahre) bestimmte öffentliche Ämter und Aufgaben übernehmen. Diese Ämter/Aufgaben sind z.B.: Bürgermeister*in, Schatzmeister*in, Mitarbeit in der Reparatur von Straßen, im Schulbau, im Gemeindeorchester, Organisation des Dorffestes etc. Hierfür stellen sie sich zur Wahl und werden dann (evtl.) in der "asamblea"  gewählt. Sie erhalten nur in Ausnahmefällen eine Aufwandsentschädigung für ihr Amt, d.h. sie erbringen in der Regel ein ehrenamtliches Engagement.

In den Gemeinden wird die Haus-, Sorge- und Pflege-Arbeit – abgesehen von wenigen Ausnahmen – weiterhin den Frauen* zugeschrieben. Zwar haben die Frauen* in den Gemeindeversammlungen auch Rede- und Stimmrecht. Jedoch sind die Fälle, in denen sie in politische Ämter gewählt werden, sehr rar. Wenn sie Gemeinschaftsaufgaben übernehmen, sind diese meist auf Reinigungs- oder andere “typische Frauenarbeiten” beschränkt. Oft kommt es vor, dass die Frauen* in der "asamblea" sogar die Mehrheit stellen, weil viele Männer zum Arbeiten in die USA migriert sind (wo sie in der Regel ohne Aufenthaltsstatus leben).  Nichtsdestotrotz hat ihr Wort in der Versammlung meist nicht dasselbe Gewicht wie das der Männer und sie beteiligen sich vor allem dann an den Abstimmungen, wenn sie ihre abwesenden Ehemänner vertreten. Oft sind sie zu unsicher oder zu schüchtern, um sich an den Diskussionen zu beteiligen.

Über die Wandbilder sollen die Frauen* und Mädchen zu mehr Partizipation ermutigt werden, indem die Beteiligung und der Beitrag ihrer Vorgänger*innen sichtbar gemacht wird.  Im Wandbild von Santa Cruz findet sich z.B. das Porträt einer Frau*, die sich in den 1950er Jahren für eine öffentliche Schulspeisung eingesetzt hat. Dazu hat sie mehrfach den dreistündigen Fußweg vom Dorf in die Bundeshauptstadt auf sich genommen, um bei den Behörden die Freigabe der Gelder zu beantragen. Sie war mit ihrem Engagement erfolgreich und wird dafür jetzt im Wandbild gewürdigt. Hier spiegelt sich die Idee des Projekts, die Erinnerung an diese aktiven Frauen* lebendig zu halten, damit die junge Generation sie sich zum Vorbild nehmen kann.

Fertig erstelltes Wandbild in der Ortschaft Santa Cruz.

Bisher konnten zwei Wandbilder in Gemeinden realisiert werden, die sich nach “usos y costumbres” regieren:

In der Gemeinde San Pablo Etla wurde das Wandbild im Treppenhaus des Rathauses mit Mitteln der Gemeinde umgesetzt, nachdem Emma Sosa Moreno das Projekt in der Gemeindeversammlung (asamblea) vorgestellt und alle anwesenden Gemeindemitglieder in einer Abstimmung die Realisierung beschlossen hatten. Diese Kommune verfügt als "municipio" (Verwaltungssitz einer Samtgemeinde, zu der mehrere kleine Gemeinden/"agencias" gehören) über eigene finanzielle Ressourcen. Da diese Ressourcen jedoch auch sehr begrenzt sind, wurde hier vor allem das Material und eine symbolische Aufwandsentschädigung für die Arbeitszeit finanziert.

Im Gemeinde-Wandbild von San Pablo Etla wurden beispielsweise Senior*innen porträtiert, die weiterhin in der Gemeinde leben. Hier hat die Künstlerin nach Frauen* gesucht, die sich durch ihr Engagement für die Gemeinde verdient gemacht haben, auch ohne ein "offizielles" politisches Amt inne zu haben. Ein Beispiel für solch eine* Senior*in ist Señora Eduviges, die als Hebamme vielen Schwangeren geholfen hat, ihre Kinder auf die Welt zu bringen und die über ihr Wirken als Heilerin eine große Unterstützung für die Menschen der Gemeinde war.

In der Gemeinde Santa Cruz, die als "agencia" nicht über eigene Mittel verfügt, konnte das Projekt dank einer großzügigen Spende eines Ehepaars umgesetzt werden.

Die Resultate waren bisher sehr positiv. Zum Beispiel haben die Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Wandbilder für sich entdeckt und nutzen Fotos vom Wandbild z.B. als Profilfoto in den neuen sozialen Medien oder verbreiten sie darüber. Gleichzeitig konnte die politische Partizipation der Frauen befördert werden. Andere Organisationen greifen die Wandbilder auf und beziehen sich in ihrer Bildungs- und Empowermentarbeit darauf. In Santa Cruz wurde im letzten Jahr erstmalig eine Frau als Bürgermeisterin gewählt. Leider hat sie aus persönlichen Gründen die Wahl dann nicht annehmen können. Ein weiterer Effekt ist es, dass die Bewohner*innen sich stärker mit der Gemeinde identifizieren und stolz auf ihre Geschichte und Gemeinschaft sind.

Das nächste Wandbild soll in der Gemeinde "San Lorenzo Cacaotepec" entstehen. Die Gemeindeversammlung hat sich mit großer Mehrheit für das Wandbild ausgesprochen, es soll auf einer Wand am öffentlichen Versammlungsplatz umgesetzt werden. Da das Dorf eine "agencia" und kein "municipio" ist, verfügt es nicht über eigene Finanzmittel und hat auch keine externen Mittel akquirieren können.

Die Künstlerin Emma Sosa Moreno bei der Erstellung des Wandbilldes in Santa Cruz.

Die Entstehung eines Wandbildes - Arbeitsschritte

Die Arbeit an einem “Mural” beginnt mit einem Treffen mit den Repräsentant*innen der Gemeinde (das sind nach wie vor überwiegend Männer), die dann wiederum gemeinsam mit den Gemeindemitgliedern eine Recherche durchführen und Vorschläge sammeln, wer auf dem Wandbild repräsentiert werden sollte. Parallel dazu recherchiert Emma Sosa Moreno auch, indem sie mit den Dorfbewohner*innen Gespräche führt. Im Vorbereitungsprozess zu beiden Wandbildern hat sie dabei besonders nach (ehemals) aktiven Frauen* gesucht.

Die Arbeitsschritte sind wie folgt:

  1. Recherche in der Gemeinde
  2. Abstimmung der zu Porträtierenden mit den Gemeindevertreter*innen
  3. Treffen mit den ausgewählten Senior*innen (Interviews &  Fotos)
  4. Erarbeitung eines Wandbild-Entwurfes auf Papier
  5. Abstimmung des Entwurfes mit den Vertreter*innen
  6. Realisierung des (überarbeiteten) Entwurfes auf einer von der Gemeinde zugewiesenen öffentlichen Wand.

 

Folgende mittel- und langfristigen Veränderungen im Gemeindeleben sind mit dem Projekt intendiert:

  1. Die Rolle der Senior*innen und der Frauen* für die Entwicklung der Gemeinde (z.B. ihrer Strukturen, Institutionen und das gute Zusammenleben) soll sichtbar und nachvollziehbar werden und eine öffentliche Würdigung erfahren. Dies sollte zu einer stärkeren Wertschätzung ihres Beitrags in der Gemeinde führen und auch dazu, dass ihre Stimmen in den Versammlungen Gehör finden.
  2. Insbesondere die (jungen) Frauen* sollten sich ermutigt und angeregt fühlen, öffentliche Ämter und Aufgaben zu übernehmen und im (politischen) Gemeindeleben deutlicher in Erscheinung zu treten. Sie sollten dabei auch die Unterstützung der Männer der Gemeinde erfahren.
  3. Gleichzeitig sollten sie (durch das Beispiel der älteren Frauen*) dazu angeregt werden, sich gegenseitig zu unterstützen, wenn es darum geht, ggf. auch gegen die Widerstände der Männer Verantwortung zu übernehmen und diverse private & öffentliche Arbeiten und Aufgaben umzuverteilen.
  4. Das Wandbild wird die Gemeinde vermutlich über mehrere Generationen begleiten. Es wird einen Ausschnitt aus der Geschichte der Gemeinde, die Bedeutung der kommunalen Geschichtsschreibung, der indigenen basisdemokratischen Traditionen und des ehrenamtlichen Engagements klar machen und lebendig halten.


Wenn Sie für das Projekt spenden möchten, geben Sie bei Ihrer Überweisung bitte als Stichwort "Wandbild Mexiko" an. Bankverbindung IBAN: DE82 4306 0967 7002 9933 00; BIC: GENODEM1GLS (GLS-Bank).

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